Abschied aus Veitshöchheim - Pfarrer Wolfrum mit neuer Aufgabe

Pfarrer Sebastian Wolfrum
Bildrechte: Von der Goltz

Nun ist es also soweit. Nach über zehn Jahren in Veitshöchheim werde ich im Herbst in der Landeskirche Braunschweig eine neue Aufgabe übernehmen. Ich werde die Leitung der KiTa-Fachberatung in der Landeskirche übernehmen. Das wird ein ganz anderes Arbeiten werden, als ich es bisher aus meinen Stellen gewohnt bin, andererseits bin ich für ein Arbeitsfeld tätig, das mir seit den ersten Tagen meines Berufs sehr am Herzen liegt: die Kindertagesstätten so zu begleiten, dass sie die wichtige Arbeit mit den Kindern gut lösen können. 

Am meisten freue mich natürlich darauf, dass meine Partnerin und ich nach zwei Jahren Fernbeziehung endlich an einem Ort leben und arbeiten können.

In Veitshöchheim sind wir in den letzten 10 Jahren einen langen, manchmal intensiven, zwischendurch auch herausfordernden Weg gegangen. Ich erinnere mich an viele kleine Begegnungen unterwegs und zwischendurch. Ein kurzer Schwatz oder ein längeres Gespräch. Gottesdienste, die mich berührt haben, Geschichten von euch, die mich nicht losgelassen haben. Konfis – jeder Jahrgang war anders, mit eigenen Ritualen, eigenen Themen. Stunden im Gesprächskreis, wo wir über Gott und die Welt und das ganze Leben diskutiert haben. Gottesdienst in allen Kirchen und auf manchen Plätzen der Gemeinde. Dank für die ökumenische Gastfreundschaft. 

Die Arbeit im Kirchenvorstand war prägend in diesen Jahren. Und miteinander haben wir das Großprojekt Generalsanierung der Christuskirche auf den Weg gebracht und umgesetzt. 

Was mir aber vor allem in Erinnerung bleiben wird ist etwas anderes: Ihr, die Menschen in den Orten Veitshöchheim, Güntersleben, Thüngersheim und Gadheim in und außerhalb unserer evangelischen Gemeinde, seid mit mir durch dick und dünn gegangen. Ihr habt mich in schwierigen Krankheiten und schweren Zeiten begleitet und ausgehalten und ihr seid an meiner Seite geblieben, im Herbst 2017 und danach. Bei jedem Interview – und es waren viele  - wurde ich gefragt, wie die Gemeinde reagiert hat. Ich habe nie verschwiegen, dass es Kritik und Vorbehalte gab. Aber vor allem habe ich erzählt, wie unkompliziert ihr mit meinem Coming Out umgegangen seid. Und immer wieder waren die Journalist*innen positiv überrascht, wie offen und wohlwollend ihr ward. Für viele, die Kirche oft für einen verstaubten und überholten Verein halten, inklusive der großen Zeitung mit den vier Buchstaben, war das ein Zeugnis, wie es keine Predigt kann. Ihr habt die menschliche, offene, barmherzige Seite unseres Gottes, unserer Kirche unseres Glaubens gelebt und dadurch die eine oder andere Herzenstür jenseits unserer Kirchengemeinde quer durch die ganze Republik geöffnet. Weil ihr so zu mir wart, sind manche eingetreten und übergetreten. Manchmal habe ich einen Einblick bekommen, was euch das an Überwindung gekostet hat. Aber ihr habt euch getraut. Veitshöchheim (sorry, Güntersleben und Thüngersheim) steht seit dem neben Fasching, Wein, Eis, Rokokogarten und Europa auch für eine Kirche, die aufgeschlossen ist und Menschen auch durch schwierigste Zeiten begleiten kann.  Ihr habt euch das nicht ausgesucht. Ihr habt es einfach gemacht. Ihr wart Segen. Für mich. Für euch. Für viele in diesem Land. Danke! 

Danke an Claudia Grunwald und Ina Kindl, die viel aufgefangen haben. Danke an den Kirchenvorstand, namentlich Manfred Hohmeier, der mir in dieser Zeit ein wertvoller und loyaler Ratgeber und Begleiter war. 

Es gab in der letzten Zeit manche andere Pfarrstellen, die mich gelockt haben. Aber eine war nie dabei: Eine Gemeindestelle. Was ich hier mit euch leben und bewegen durfte war für mich besonders. Und ich weiß, dass ich die Distanz eines Hintergrunddienstes brauche, mich noch einmal in eine Kirchengemeinde zu „verlieben“. Veitshöchheim, Güntersleben, Thüngersheim und Gadheim werden einen Platz in meinem Herzen behalten.

Danke.