Liebe Gemeinde!
Leben in Fülle
Die Losung für August lautet: Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Joh. 10, 10)
Wenn jemand stirbt, hören oder lesen wir oft, er oder sie hatte ein erfülltes Leben! Haben Sie für sich schon einmal überlegt, was genau ein erfülltes Leben ausmacht? Die Antworten darauf fallen sicherlich sehr unterschiedlich aus. Für die einen ist es lange Gesundheit, für andere Zeit mit der Familie, Frieden oder die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Wiederum andere definieren ein glückliches Leben in Reichtum und Zufriedenheit. Doch das Leben verläuft selten geradlinig. Krankheit, Sorgen, Abschiede und Enttäuschungen gehören für jedes Leben ebenso dazu wie Freude und Gelingen.
Mitten in diese Gedanken hinein spricht Jesus mit der Monatslosung für August: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Er malt uns keine heile Welt vor und verspricht kein Leben ohne Leid. Seine Worte stehen im Zusammenhang mit dem Bild vom guten Hirten. Der gute Hirte kennt all seine Schafe, ruft jedes beim Namen und geht ihnen voran. Er bleibt bei Wind und Wetter an ihrer Seite – auch dann, wenn der Weg durch dunkle Täler führt. Aber ist uns der Schäfer mit all seinen Tugenden und Werten noch so nahe, dass wir uns in ihn hineinversetzen können? Kennen wir überhaupt noch einen Schäfer? Viele kennen ihn sicherlich nur noch aus Filmen oder von früher aus dem Bilderbuch.
Die Fülle, von der Jesus spricht, ist aber mehr als ein Leben voller Glücksmomente. Sie ist das Leben aus der Gemeinschaft mit Gott. Wer auf ihn vertraut und sich führen lässt, gewinnt einen festen Grund unter den Füßen, geht gezielt voran und sicher durchs Leben. Der Glaube an ihn trägt uns, wenn unsere Kräfte nachlassen, bei Schicksalsschlägen und in schweren Stunden. Mit ihm an unserer Seite gelingt auch ein neuer Anfang, wo uns Schuld belastet, damit wir mit Hoffnung und Zuversicht wieder nach vorne schauen können. Das Vertrauen auf ihn kann weiter reichen, als das, was wir mit unseren Augen sehen können. Die Monatslosung lässt uns darauf vertrauen, dass die „Fülle des Lebens“ für uns nach unserem Leben eintritt.
Manchmal zeigt sich diese Fülle bereits jetzt in den kleinen Dingen des Alltags: in einem freundlichen Wort, das aufrichtet; in einem Besuch, der Einsamkeit durchbricht; in einem Gebet, das neue Zuversicht schenkt; im Abendmahl zusammen mit anderen, in dem Christus selbst uns stärkt. Wo Menschen einander mit der Wertschätzung begegnen, die sie selbst von Gott empfangen haben, wird etwas von ihm durch uns selbst sichtbar - sichtbar für andere.
Als Gemeinde sind wir eingeladen, bereits aus dieser Fülle Kraft zu schöpfen und diese weiterzugeben. Wir sind aufgerufen, Hoffnungsträgerinnen und Hoffnungsträger zu sein – in unseren Familien, in der Nachbarschaft und überall dort, wo Menschen Trost, Ermutigung und ein offenes Herz brauchen. Dabei ist es unerheblich, ob die zu Tröstenden selbst glauben.
Mögen uns die Worte Jesu durch die Urlaubszeit begleiten. Wir sollten nicht nur das Schlechte sehen und kritisieren. Schauen wir auf das, was wir haben, auch wenn es vermeintlich nur Kleinigkeiten sind. Lassen wir uns stets daran erinnern, dass wir im Leben den tiefsten Reichtum nicht in dem finden, was wir besitzen oder leisten. Er ist gekommen, damit wir leben – heute, morgen aber auch in Ewigkeit.
Und was bedeutet das in letzter Konsequenz für uns? Wir dürfen ihm folgen und das egal, ob unser Leben hier auf dieser Erde kurz oder lang war. Egal, ob uns Glück, Wohlstand und Reichtum vergönnt war oder nicht. Egal, wie erfolgreich wir waren. Am Ende gibt der gute Hirte auch uns das ewige Leben. Und sein Versprechen gilt für immer: „Sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh. 20, 28) Diese Gewissheit wird uns geschenkt! Wie gut, dass Er uns aufgerufen hat Ihm zu vertrauen und zu folgen. Nikolaus Ludwig von Zinsendorf beschreibt es in seinem Lied, welches wir häufiger im Gottesdienst singen: „Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.“ (Lied 391) Und in der letzten Strophe heißt es: „Ordne unseren Gang. Jesu lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt‘ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.
Nur die Ewigkeit verheißt uns „Leben in Fülle“ ohne Ende.
Ihr
Manfred Hohmeier
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