Liebe Gemeinde!
Die Losung für den Monat Oktober lautet:
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Galater 5,1)
Freiheit – für viele Menschen ist das eines der schönsten Vorstellungen überhaupt. Für uns Deutsche ist Freiheit mittlerweile fast eine Selbstverständlichkeit. Freiheit bedeutet: Ich darf selbst entscheiden. Ich darf meinen eigenen Weg gehen. In der Definition steht: „Freiheit bedeutet, ohne Zwang oder Druck selbst zu bestimmen, was man tut, denkt und entscheidet.“
Paulus spricht hier von einer Freiheit, die viel tiefer geht. Es geht nicht zuerst um äußere Freiheit, sondern um eine Freiheit im Herzen. Die Losung bedeutet, Jesus Christus hat uns frei gemacht: Frei von dem Zwang, uns Gottes Liebe erst verdienen zu müssen. Frei von der Schuld, die uns belastet. Frei von dem Gedanken: „Ich muss erst besser werden, damit Gott mich annimmt.“ Christus sagt nicht: „Streng dich mehr an, dann bist du frei.“ Er sagt vielmehr: „Ich habe dich befreit.“ Das ist das Evangelium: Unsere Freiheit ist kein Verdienst. Sie ist ein Geschenk.
Und trotzdem kennen wir die latente Gefahr, wieder unter ein „Joch“ zu geraten. Wir beginnen, uns selbst zu messen, selbst zu hinterfragen: Bin ich fromm genug? Bete ich genug? Habe ich genug geleistet? Habe ich alles richtig gemacht? Ist mein Glaube auch fest genug? Dann wird aus dem Glauben schnell eine Last.
Freiheit hört sich für uns spontan als etwas selbstverständliches an. Doch ist das tatsächlich immer so? Und wir, erleben wir uns denn selbst ebenfalls als Befreite? – Das hängt sicherlich von unseren sehr persönlichen Biografien ab. Viele von uns sind in freiheitsfreundlichen Elternhäusern aufgewachsen. Wir leben in einem freien Land mit freien Wahlen, freier Berufswahl und vielfältigen Möglichkeiten uns selbst zu verwirklichen. Eine Befreiungsgeschichte wie Paulus oder wie Luther brauchen wir daher eigentlich gar nicht. Sind wir nicht alle schon immer einigermaßen frei.
Nicht jede und nicht jeder von uns kann aber auf solch eine Biografie der Freiheit zurückblicken. Denken wir an die Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, mit all den Begrenzungen in der Freiheit.
Manche – wahrscheinlich auch manche, die das hier gerade lesen – haben massive Erlebnisse mit Unfreiheit hinter sich: Sie haben elterliche Gewalt erlebt oder Gewalt in der Ehe, sie wurden in der Schule gehänselt oder gequält oder bei der Arbeit bedrängt oder herabgesetzt. So manche und so mancher unter uns wird heftige seelische Narben mit sich herumtragen. Manche Narbe, obwohl Jahrzehnte alt, tut heute noch weh, sitzt tief und ist in manchen Situationen plötzlich wieder da. Manche Seele ist gefangen von dem, was sie einst erleben und durchmachen musste.
Denken wir nur an die vielen Flüchtlinge, die wegen ihrem Leben in Unfreiheit und Gewalt, unter Einsatz ihres Lebens, zu uns geflüchtet sind - sich aber hier bei uns, trotz aller Hilfen unfrei, nicht willkommen und auch nicht sicher fühlen.
Unfreiheit kann aber auch andere Formen haben. Gefangennehmen können auch Drogen, Alkohol, Tabak, Spielsucht und leider manchmal auch unser Smartphone. Sie ruinieren so manchem die Gesundheit und das Leben. Oft sind ganze Familien mitbetroffen. Besonders für Jugendliche kann Unfreiheit dadurch entstehen, dass man dem Druck der Gruppe erliegt und unbedingt das braucht, was die anderen haben, um mithalten zu können, Anerkennung zu finden. Mittendrin in der Gruppe, statt nur dabei. Unfreiheit entsteht durch den Druck zum Idealgewicht und zur Idealfigur. Die Erwartungen der anderen, der Freunde, der Eltern, des Partners können zur Unfreiheit werden. Unfreiheit entsteht auch durch den ständigen Wettkampf, dem viele heute in der Schule oder am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.
Der Glaube an Gott hilft beim Erreichen von Freiheit. Aber es gibt Fälle, in denen Menschen gerade durch die Religion und den Glauben unfrei geworden sind. Denn das gibt es ja auch: Unfreiheit durch Religion und im Namen Gottes. In unserem Land kann so mancher davon berichten, wie er im Namen des Christentums oder seiner Amtsträger um seine Freiheit und seine Würde gebracht wurde. Da ist zum einen an den sexuellen Missbrauch zu erinnern, worüber seit Jahren viel zu lesen ist. Gut 900 Fälle sind aus dem Bereich der evangelischen Kirche seit den 50er Jahren dokumentiert. Die Aufarbeitung ist am Laufen.
Paulus ruft uns deshalb zu: „So steht nun fest!“ Bewahrt euch die Freiheit, die Christus geschenkt hat. Lass dir nicht wieder einreden, dass du dir Gottes Liebe verdienen musst. Lass dich nicht von Schuldgefühlen bestimmen, wenn Christus dir vergeben hat. Und lass nicht die Erwartungen anderer zu deinem Maßstab werden. Christliche Freiheit bedeutet allerdings nicht: „Ich kann tun, was ich will.“ Es bedeutet vielmehr: Ich muss nicht mehr tun, was mich gefangen hält.
Ich darf Nein sagen zu dem, was mich zerstört.
Ich darf Ja sagen zu dem, was Gott mir schenkt.
Ich darf vergeben.
Ich darf neu anfangen.
Ich darf Fehler eingestehen, ohne daran zugrunde zu gehen.
Ich darf Gott vertrauen, auch wenn ich für mich selbst nicht mehr alles im Griff habe.
Deshalb erinnert uns heute die Losung mit diesem Satz daran: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“. So lassen Sie uns diese Freiheit als etwas Besonderes und nicht Selbstverständliches an jedem Tag neu annehmen, in Dankbarkeit, in tiefem Herzen und im Vertrauen auf Gott.
Manfred Hohmeier
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In diesem Jahr wollen wir unser Gemeindefest mit dem Erntedankfest verbinden. Wir starten mit einem Familiengottesdienst mit viel Musik. Eigene Erntegaben und auch haltbare Lebensmittel können dazu gerne mitgebracht werden. Diese können Sie bereits am Samstag (10:00 Uhr) zum Schmücken des Altars vorbeibringen, aber auch am Sonntag am Altar ablegen. Nach dem Gottesdienst sind alle eingeladen zu Eintopf, Kaffee, Kuchen und kurzweiligen Gesprächen. Darüber hinaus wird es ein Programm für Kinder und Jugendliche geben.
Um 16:00 Uhr findet im Rahmen unseres Gemeindefestes die Aufführung der Bachkantate BWV 189 statt. Mehr Informationen auf dem Flyer rechts.
Hierzu sind alle herzlich eingeladen - wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen!
Wenn sie am Gemeindefest mithelfen wollen, liegen dazu Listen auf dem Tisch im hinteren Teil der Kirche aus, auf denen Sie sich eintragen können - oder Sie sprechen uns einfach an.



